Der Sommer ist da und die Hitze wird zum Gesprächsthema Nummer eins. Passend dazu schreibe ich heute über Annika Pinskes grandiosen Film „Alle reden übers Wetter“ (2022), in dem es um so viel mehr geht, als um Wetter-Smalltalk – versprochen.
Clara (Anne Schäfer) arbeitet als Philosophiedoktorandin an einer Universität und hat sich vor Kurzem auf eine Affäre mit einem Studenten (Marcel Kohler) eingelassen. Anders als die meisten ihrer Kolleginnen und Kollegen stammt sie selbst nicht aus einem akademischen Haushalt und eckt mit ihrer Ostvergangenheit innerhalb der bourgeoisen Gesellschaft an.
Als sie und ihre Tochter (Emma Frieda Brüggler) übers Wochenende Claras Mutter (Anne-Kathrin Gummich) auf dem Land besuchen, wird Clara mit ihrer Herkunft und einem Konflikt von Zugehörigkeit konfrontiert.
Wer ist eigentlich Clara? Diese mutige Frage stellt Regisseurin Annika Pinske in ihrem Debütfilm. Die Protagonistin scheint sich da auch nicht so sicher zu sein… Clara ist die erste in ihrer Familie, die studiert hat.
Doch durch ihre Emanzipation fühlt sie sich in ihrer Heimat fremd. Sie findet nur noch wenig Draht zu ihrer Mutter, die sich lieber über Sonderangebote als über ihre Zukunftspläne unterhält.
Die unaufgeregte Kamera, Musik und Erzählweise lassen den Film fast dokumentarisch wirken. Und genau das macht den Film so überzeugend. Auch das wirklich tolle Schauspiel von Anne Schäfer lässt Clara zu einer Figur werden, die echt ist – die auch mal Fehler macht und dadurch nahbar wirkt.
Pinske schafft durch ihren Film ein scharf beobachtetes Porträt mit vielen Emotionen, ganz ohne polemisch zu werden. Die Regisseurin, die selbst aus Ostdeutschland kommt, blickt mit einer spannenden Perspektive auf aktuelle gesellschaftliche Fragen – etwa wie schwer es ist, zwischen zwei sozialen Welten zu navigieren, ohne die eigene Herkunft zu verleugnen.
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