Staffellauf #51 von André Pitz • 15. Mai 2025
Hej, als Leser*in dieses Newsletters setzt Du Dich bestimmt genau wie ich super gerne tiefergehender mit all den Filmen, Serien und Kultur überhaupt auseinander.
Mir ist es dabei immer sehr wichtig, ausgeruhte Blickwinkel zu finden, die nicht nur auf Krampf den nächsten Klick ragebaiten.
Ich stehe total auf lange Analysen mit ausgefeilten Argumentationen – ganz egal, ob ich das Ergebnis nun teile oder nicht.
Dass ich damit absolut nicht alleine bin, zeigt die regelrechte Explosion von Video-Essays auf Youtube in den vergangenen Jahren.
Natürlich gibt es auch in diesem Genre große Qualitätsunterschiede und reichweitenstarke Kanäle müssen nicht unbedingt die besten sein – und doch hat sich ein beachtliches Publikum um Kanäle geschart, bei denen ein Video gerne auch mal eine Stunde oder länger gehen kann.
Da Zeit jedoch ein knappes Gut ist, will ich Dir heute eine kleine Einstiegshilfe in Sachen Video-Essayist*innen an die Hand geben.
Der Türöffner: Patrick (H) Willems
Patrick Willems ist studierter Filmwissenschaftler und wollte eigentlich als Filmemacher sein Geld verdienen. Da das jedoch offenkundig kein einfaches Pflaster ist, hat er nebenbei mit Youtube angefangen und damit zu unerhofftem Erfolg gefunden.
Mir gefällt Patricks Arbeit, weil er mit seinem filmanalytischen Blick vor allem Hollywood-Kino auf eine intellektuelle Art und Weise bespricht, die durch seinen Humor super zugänglich und durch seine Expertise fundiert ist.
Er hat einen wohlwollenden Blick auf den Mainstream und zeigt auf, dass auch Blockbuster vielschichtig gelesen werden können.
Patrick (H) Willems ist ideal für Dich, wenn Du gerade erst in die Filmanalyse einsteigst. Ich empfehle:
- „When Movie Stars Become Brands“ über Schauspieler*innen, die egal in welchem Film und in welcher Serie praktisch nur noch sich selbst als wandlungsunfähige Marke verkörpern.
- „Everything Is Content Now“ über das schlimmste Wort des Streaming-Zeitalters: Content.
- „Sweaters In Movies – What They Mean And Why They Matter“, weil auch das eine wichtige Frage sein kann. 🤓
Die Hungrige: Broey Deschanel
Maia Wyman aka Broey Deschanel steht für einen Typus von Essayist*innen, denen die Inhalte von Kolleg*innen wie Patrick Willems nicht mehr genug geben.
Maia ist auf der Suche nach noch tiefer gelegenen Schichten, die sich erst im kulturhistorischen und gesellschaftspolitischen Kontext erschließen lassen, die in Bezug zum Schaffen anderer großer Denker*innen gesetzt werden müssen.
Mir gefällt, wie barrierearm Maia ihre Essays ausgestaltet und auch Menschen respektvoll mitnimmt, die sich vielleicht noch nie so richtig mit philosophischen Strömungen und der Geschichte der Kunst auseinandergesetzt haben.
Broey Deschanel ist ideal für Dich, wenn Dir Analysen des reinen Filmhandwerks nicht mehr reichen und Du nach noch mehr Tiefe dürstest. Ich empfehle:
- „Why Anora is the Disney Princess We Need“ über die Protagonistin in Sean Bakers Cannes-Gewinnerfilm „Anora“ (2024).
- „Anatomy of a Rom Com“ über die Struktur des so belächelten Subgenres im Wandel der Zeit.
- „Male Weepies: A Misunderstood Genre“ über leidende Männerfiguren in Filmen.
Die Philosophin: ContraPoints
Natalie Wynn stellt für mich mit ihrem Youtube-Kanal ContraPoints eine regelrechte Anomalie im Internet dar.
Ihre Videos können schon mal an der Drei-Stunden-Marke kratzen, sind vollgepackt mit jeder Menge nicht immer leicht zugänglicher Theorie und mit einem absurden Aufwand in Sachen Masken- und Szenenbild gedreht.
Mir gefällt, dass es bei Natalie fast nie vorrangig um Kultur geht, aber die Kultur immer wieder eine entscheidende Rolle in ihren Analysen spielt.
ContraPoints ist ideal für Dich, wenn Du auf philosophisch fundierte Deep-Dives stehst. Ichh empfehle:
- „Twilight“ über, wenig überraschend, sowohl die Bücher als auch die Filme der „Twilight"-Reihe.
- „The Witch Trials of J.K. Rowling“ über die „Harry Potter“-Autorin, die sich immer tiefer in ein Loch voller Verachtung und Hass auf trans Menschen gräbt.
- „Canceling“ über die im Kulturkampf von rechts immer wieder bemühte Mär von der „Cancel Culture".
Happy Streaming,
André