Vergangene Woche ist mir zum ersten Mal seit Langem das Unmögliche gelungen: Ich habe ein Serien-Schmuckstück gefunden, von dem ich noch nie zuvor gehört hatte, vollgepackt mit Schauspieler*innen und Comedians, die ich liebe. Als Fan von Serien wie „Schitts Creek“ (2015-2020) und „Arrested Development“ (2003-2019) ist es fast schon ein Verbrechen, dass diese Serie komplett an mir vorbeigegangen ist. Die Rede ist von „Murderville“ (2022): Krimi, Comedy und Improshow zugleich.

In jeder der sechs Episoden stolpert ein prominenter Gast mitten in einen Mordfall und soll gemeinsam mit Detective Terry Seattle (Will Arnett) den Täter überführen. Der Clou: Nur Arnett kennt den Plot. Alle anderen – vom Forensik-Team bis zu Terrys Ex und Vorgesetzten (Haneefah Wood) – folgen einem Skript, das sie sanft in Richtung des Mörders schubst. Für die Promigäste heißt das: improvisieren, reagieren, spielen. Konkret: Hinweise sammeln, Verdächtige befragen, undercover gehen. Und am Ende selbst entscheiden, wer der Mörder war.

Will Arnett ist die perfekte Besetzung. Sein Terry Seattle ist ein großspuriger, unberechenbarer Wirbelwind, dessen ungeplante Lacher und unaufhörliche Schlagfertigkeit jede Szene antreiben. Er schafft eine Spielfläche, auf der alles passieren kann. Die Auswahl der Gaststars ist meiner Meinung nach ein bisschen hit or miss: Manche Stars fügen sich stark ein, bei anderen hatte ich das Gefühl, dass sie krampfhaft versuchen, sich Arnetts Humor anzupassen. Besonders gelungen fand ich die Folgen mit Conan O’Brien, Marshawn Lynch und Annie Murphy. O’Brien bringt trockene, skeptische Kommentare ein, Lynch stiehlt als selbstbewusster Impro-Wirbelwind jede Szene, und Murphy beweist perfektes Timing und Charme im Chaos. 

Ein besonderes Highlight:  Das Weihnachts-Special mit Jason BatemanArnetts langjährigem Freund und „Arrested Development“-Kollegen. Die Sticheleien sitzen tiefer, das Timing ist noch präziser, ihre Dynamik ist so eingespielt, dass man sofort merkt: Die beiden verstehen sich blind. Lässt sich auch außerhalb der Weihnachtszeit gut gucken! 

Für mich ist „Murderville“ ein erfrischendes TV-Erlebnis, das das Spiel zwischen Kontrolle und Chaos meistert. Man sieht, wie die Gäste zwischen Anspannung, Überraschung und purer Freude schwanken – und als Publikum spürt man das Knistern, das entsteht, wenn Comedians sich in einem absurden, aber liebevoll konstruierten Setting miteinander austoben können. Ich habe gleichzeitig gelacht, mitgefiebert und gestaunt, wie so eine einfache Idee – quasi ein Krimidinner mit nur einem Mitspieler – so unterhaltsam umgesetzt werden kann. 

Als nächstes auf meiner Watchlist: „Murder in Successville“ (2015-2017), die Originalvorlage aus England, die angeblich – große Überraschung – noch besser sein soll als das US-Remake. Ich bin gespannt!

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