Staffellauf #93 von Althea Pappas • 06. März 2026

Ich habe das Gefühl, wirklich originelle Filme und Serien werden immer seltener. Stattdessen sehen wir ständig Neuauflagen von bekannten Geschichten: Hier ein Revival, da eine Neuverfilmung – von „Scrubs“ über „Harry Potter“ bis zu Klassiker-Neuauflagen wie „Wuthering Heights“. Alles wird recycelt, rebooted oder neu interpretiert. Aber warum eigentlich? 

Mein erster Gedanke: Geld. Denn Studios wissen: Name Recognition funktioniert, bekannte Marken verkaufen sich leichter, und irgendwie scheint es sicherer, als etwas wirklich Neues zu produzieren. Streaming-Plattformen und Blockbuster-Studios kalkulieren Marketingkosten hoch, und bekannte Titel garantieren Klicks – nicht unbedingt künstlerische Qualität, aber ein messbares Publikum. Abgesehen natürlich von den zahlreichen Remakes, die gefloppt sind. Man denke an „Ghostbusters“  (2016) oder die Musical-Verfilmung von „Mean Girls“ (2024): Große Kult-Titel, viel Marketing, aber wenig kulturelle Strahlkraft. 

Vielleicht ist es auch Unsicherheit. In einer Zeit von Unruhe, Instabilität und einem täglichen Weltgeschehen, das einem Horrorfilm gleicht, greifen wir gerne zu etwas Vertrautem. Vielleicht sind Remakes auch eher emotionales Comfort Food als innovatives Kino – auch „nostalgic anchoring“ genannt. Streaming-Plattformen wissen das auch: Sie sehen, welche Serien wir zum dritten oder vierten Mal durchbingen, oder dass ich „Gossip Girl“ (2007-2012) auf Dauerschleife zum Einschlafen abspiele, nur um am Ende der Serie direkt wieder bei Staffel 1 anzufangen. Dieses Verhalten ist messbar und sendet auch an die Anbieter ein klares Signal: Vertrautheit funktioniert. Wir wissen, was uns erwartet. Wir kennen die Figuren, die Welt. Vielleicht merkt ihr ja bei eurem nächsten Streaming-Abend, dass ihr lieber etwas schaut, das ihr schon kennt – statt euch auf etwas völlig Neues einzulassen. Ich ertappe mich jedenfalls regelmäßig dabei. Und dann kann ich mich vielleicht auch nicht beschweren, wenn mein Algorithmus mir auf einmal den „Gossip Girl“-Reboot ausspuckt. 

Meine eigene Ambivalenz

Wie ihr also vielleicht merkt: Ich rolle oft mit den Augen, wenn mal wieder ein Remake einer beliebten, erfolgreichen Franchise angekündigt wird. Vor allem dann, wenn ich das Gefühl habe, der Kern des Originals geht verloren und es nur darum geht, auf der Remake-Welle zu reiten, ohne wirklich etwas erzählen zu wollen. Bei „Wuthering Heights“ (2026) von Emerald Fennell wird gerade genau darüber diskutiert – was darf man verändern, und wann verliert eine Geschichte ihre Seele, ihre kulturelle Substanz? Nicht alles muss neu gemacht werden, nur weil es neu gemacht werden kann

Spannend finde ich es eher, wenn ein Remake einen echten Mehrwert hat. Zum Beispiel durch technische Innovation wie bei „König der Löwen“ (2019), wo modernste CGI eine vertraute Geschichte komplett neu erfahrbar macht. Oder wenn neue Formate andere Dimensionen eröffnen. Ich bin zugegebenerweise noch im Meinungsbildungsprozess, ob ich die kommende Serienadaption von „Harry Potter“ unterstützen möchte, und ich bin nach wie vor skeptisch, dass ein kompletter Remake dieses legendären Franchises überhaupt eine gute Idee ist. Aber: Erzählerisch betrachtet liegt darin auch eine große Chance. Über mehrere Staffeln hinweg können Nebenhandlungen, Figuren und Details aus den Büchern Raum bekommen, die in den Filmen nicht stattfinden. Für mich werden die 2000er-Filme trotzdem für immer das richtige „Harry Potter“ sein, aber vielleicht kann eine Serie das Universum auch vertiefen, statt es nur zu wiederholen.

Streaming-Empfehlungen 

Und weil ich nicht nur meckern möchte, habe ich drei Empfehlungen für euch rausgesucht: Ein Original, ein gelungenes Remake und eine Franchise, in der ich sowohl das Original als auch den späteren Reboot sehr gelungen finde.

„West Side Story“ (1961) – zu streamen auf dem MGM+-Kanal bei Prime Video.

„Romeo und Julia“ trifft auf rivalisierende Jugendgangs in New York: Eine Liebesgeschichte zwischen Tony und Maria, die an gesellschaftlichen Grenzen zerbricht. Warum das Original so stark ist: Die stilisierte Choreographie, die Farbdramaturgie und theatralische Künstlichkeit machen den Film zu einem ikonischen Zeitdokument. Steven Spielbergs 2021er Remake kann da nicht gegenhalten.

„Suspiria“ (2018) – zu streamen bei Prime Video

Eine junge Tänzerin kommt an eine Berliner Tanzkompanie und gerät in ein Netz aus Okkultismus, Machtstrukturen und weiblicher Gruppendynamik. Warum das Remake hier über das Original aus 1977 trumpft: Regisseur Luca Guadagnino kopiert nicht blind, sondern verschiebt den Fokus politisch und psychologisch und verankert die Geschichte im geteilten Berlin der 70er. Ein perfektes Beispiel, wie ein Remake im richtigen Kontext einen Mehrwert haben kann.

 „Freaky Friday“ (1976 und 2003) – beide zu streamen bei Disney+. 

Die altbekannte Story: Mutter und Tochter tauschen über Nacht die Körper und müssen den Alltag des jeweils anderen meistern. Das Original mit Jodie Foster lebt vom 70er-Jahre-Charme und der klaren Generationenbeobachtung, während die 2003-Version, die in meinen Augen ein absoluter Kult-Klassiker ist, Tempo, Humor und Popkultur-Referenzen modernisiert. Dieselbe Idee, aber jeweils perfekt im Zeitgeist ihrer Generation verankert.

Mein Fazit

Remakes werfen Fragen auf über Kreativität, Aufmerksamkeitsspanne und unser kulturelles Bedürfnis nach Sicherheit und Vertrautheit. Klar, die Remake-Flut ist mit Sicherheit ein Zeichen kreativer Erschöpfung und finanzieller Strategie in einer Zeit, in der es um Zahlen und Content geht. Sie ist aber auch ein Spiegel unserer kulturellen Sehnsucht: Wir wollen Geschichten, die wir kennen, neu erleben – manchmal gut, manchmal leider sehr schlecht. 

Und jetzt interessiert mich: Welche Remakes haben euch überrascht – und welche hättet ihr euch sparen können?

Happy Streaming,
Althea

Der Link wurde kopiert!