Staffellauf #57 von Julia Mähl • 26. Juni 2025

Hello! Bevor wir mit meinem ersten Staffellauf starten, vielleicht noch ein paar Worte zu mir. Ich bin Julia, freie Journalistin mit vielen Interessen und einer großen Leidenschaft. Ganz nach dem Motto: „Ich liebe Drama, wenn’s nicht mein eigenes ist“ verfolge ich mit Herzblut das große ABC des Reality-TVs und stelle zu meinem Vergnügen immer wieder fest, dass es sich lohnt. Denn hinter all diesen Formaten steckt weit mehr als nur Entertainment und wer genau hinschaut, entdeckt ein Phänomen, das, mal politisch, mal psychologisch, viel Raum für Diskussion und Gedankenspiele lässt.

Fragen über Fragen beim GNTM-Finale

Es ist vollbracht. Fast ein halbes Jahr hat uns die 20. Staffel „Germany’s Next Topmodel“ (GNTM) mal mehr, mal weniger in Atem gehalten. 25 Folgen lang durften wir Shootings, Laufsteg-Walks und Tränen beiwohnen, es gab viel nackte Haut, ein bisschen Drama und natürlich große Emotionen.

Selbstverständlich sollte deswegen auch das Finale der Jubiläumsstaffel ein echtes Highlight werden – so zumindest der Plan von Model-Mama Heidi Klum. Und mit einem Programmpunkt hat sie das auf jeden Fall geschafft.​

Die GNTM-Finalist*innen und Heidi Klum (c) ProSieben, Max Montgomery

Zu sehen gab es in der vierstündigen Show – ja, ganz recht, vier Stunden, aber dazu kommen wir noch – nicht nur die Siegerehrung, ein Star-Aufgebot und die obligatorische Tokio-Hotel-Darbietung, sondern auch ein Wiedersehen mit (fast) allen Gewinnerinnen und dem einen Gewinner der bisherigen Staffeln. Lediglich Sara Nuru und Jana Beller fehlten – warum wurde allerdings weder während noch nach der Show thematisiert.

Die restlichen 17 durften einen eigenen Catwalk hinlegen, Titelsong der jeweiligen Staffel und Sieges-Cover der „Harpers Bazaar“ in Großaufnahme inklusive. Und während ich noch im ersten Moment dachte: „Wie schön, da haben sie sich aber was Nettes ausgedacht”, hat es im zweiten schon Klick gemacht.

Kritik aus den „eigenen“ Reihen

​Denn unter den all diesen Menschen ist schließlich auch Simone Kowalski, die in der 14. Staffel im Jahr 2019 den Sieg holte. Eben die Simone, die kurz nach dem damaligen Finale auf die Barrikaden ging und schwere Vorwürfe gegen die Show, die Model-Agentur „ONEeins fab“ und vor allem auch deren Geschäftsführer, Heidis Vater Günther Klum, erhob. Sie sprach von „unmenschlichen Knebelverträgen“ und „mentaler Sklaverei“, wurde am Ende aus dem Vertrag entlassen und bekam ihre Gage ausgezahlt.

Dass GNTM, Heidi und Günther Klum mit schweren Anschuldigungen umgehen mussten, ist, wie viele wissen, mittlerweile schon lange kein Einzelfall mehr. Auch Lijana Kaggwa, Kandidatin in Staffel 15, sprach von Manipulation am Set und einer Menge Druck. Ihre Klage richtete sich allerdings konkret gegen die Produktionsfirma der Show.

Was kostet die Welt?

Wie auch immer, zurück zum Text. Oder besser gesagt: zurück zur Show. Denn noch während Simone – auf Krücken und zum Tokio-Hotel-Song „Melancholic Paradise“ – ihren großen Auftritt hinlegte, stellte ich mir erstmal nur eine Frage: Wie viel Geld muss wohl geflossen sein, dass sie sich erneut für „Germany’s Next Topmodel“ auf die Bühne stellt?

Noch verrückter wurde es dann aber in den Interview-Sequenzen im Anschluss. Denn da fragte Heidi ausgerechnet Simone nach den Dingen, die sie aus ihrer Zeit bei GNTM mitgenommen habe. Und auch wenn selbstverständlich ist, dass die Ex-Siegerin nicht mitten im Finale anfängt, über die Show zu lästern, sorgten die extrem positiven Worte, die sie dafür fand, zumindest bei mir für Stirnrunzeln.

​Spätestens bei „Ich bin wirklich herzlich dankbar – dir vor allen Dingen“ wurde aus meinem Stirnrunzeln ein dickes „Hä?!“ und die Frage, was Simone mit dem Haufen Geld wohl anstellen wird, den die Show das gekostet hat. Aber das werde ich wohl so schnell nicht erfahren.

​Tja und sonst so? Ich sag mal, vier Stunden hätte es für dieses Jubiläum nicht gebraucht. Doch da gibt es tatsächlich noch ein Detail, das nicht nur mir, sondern auch vielen anderen Zuschauer*innen sogar noch nach der Show Kopfzerbrechen bereitet hat: Als am Ende die beiden Finalisten der Männer, Pierre und Moritz, neben Heidi stehen und letztere den Sieger der 20. Staffel verkünden wollte, riss sie Moritz Hand nach oben, setzte mit einem „P“ an, zögerte und sagte dann ganz schnell „Moritz“.

Die beiden Gewinner*innen Moritz (links) und Daniela (rechts) mit Heidi Klum (mitte) (c) ProSieben, Daniel Graf

Diese Szene sorgt für Fragezeichen – auch bei mir. Was zum Geier ist da passiert? Hatte Heidi einen kleinen Aussetzer? Wäre Pierre der eigentliche Sieger gewesen und Heidi hatte nur versehentlich die falsche Hand hochgezogen? Doch ähnlich wie mit der Geld-Frage von Simone werde ich wohl auch das nie erfahren.

Dass Moritz und Daniela am Schluss den Sieg in den Händen halten, ist für viele wohl keine große Überraschung. Ich für meinen Teil habe im Laufe der Show allerdings zu keinem der beiden ein wirkliches Verhältnis aufbauen können. Einzig, dass Daniela ebenfalls aus meiner Heimat – dem Schwabenländle – kommt, freut mich schon ein wenig.​

Ob aus ihnen am Ende wirklich Topmodels werden, bleibt also abzuwarten. Immerhin kursiert bereits jetzt schon viel Kritik über den 0815-Look der beiden. Einen Punkt, den ich sehe. Ich bin definitiv keine Haterin, aber auch mir fehlt’s an Spannung und Charakter.

Alles in allem kann ich über das Finale der Staffel nur sagen: Es war okay. Habe ich danach mehr Fragen als vorher? Ja. Hätte man sich am Ende doch ein diverseres „Ergebnis“ gewünscht anstatt zweier Sieger*innen, die eigentlich auch Geschwister sein könnten? Definitiv. Werde ich mir die nächste Staffel trotzdem wieder anschauen? Ziemlich sicher: ja.

Kritischer Blick auf Heidi Klum

​Weil es bis dahin aber noch ein gutes Stück dauert – und ich diese Pause aber auch dringend nötig habe – hier noch ein kleiner Überbrückungstipp meinerseits: In der ARD-Audiothek findest Du seit Anfang dieses Jahres den Podcast „Das Imperium Heidi Klum – Catwalk zur Macht“. Ein ziemlich spannendes Stück mit Hintergrundinfos, die vermutlich nicht nur bei mir für Kopfschütteln sorgen, und Fakten, die man wirklich nicht erwarten würde. Trotzdem lässt die Produktion eines nicht außer Acht: Man kann nämlich über Heidi Klum sagen, was man will, aber irgendwas macht diese Frau trotzdem verdammt richtig.

Happy Streaming,
Julia

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