Staffellauf #87 von Julia Mähl • 22. Januar 2026
Meine beste Freundin und ich haben diese Liste. Sie besteht aus unzähligen 2000er RomComs, die wir irgendwann in unserem Leben mal gesehen, geliebt, angeschmachtet haben. Manchmal liegt das letzte Mal schon 15 Jahre zurück, andere schauen wir in konstanter Beständigkeit. Fakt ist jedoch, dass wir uns regelmäßig auf meinem Sofa treffen, meist an trägen Sonntagen und bei trübem Wetter, und uns einen bis drei davon ansehen.
Im Laufe dieser Zeit musste ich allerdings feststellen, dass nicht jeder Film – Überraschung! – gut gealtert ist. Lass mich Dir also erzählen, was meine High- und Lowlights waren, was ich mir jederzeit wieder anschauen und wo ich mir vor lauter Cringe am liebsten die Decke vors Gesicht halten würde:
„Wie werde ich ihn los – in 10 Tagen“ (2003)
Ich kann’s nicht anders sagen: Kate Hudson und Matthew McConaughey spielen’s einfach grandios. Sie, die Journalistin, die unbedingt einen Enthüllungsartikel schreiben, er, der Frauenheld, der unbedingt die Wette gewinnen will.
Ich glaube, was ich an dem Film so liebe, ist diese leichte Absurdität, die nur 2000er Filme schaffen. Alles ist ein bisschen überdreht, manches macht keinen Sinn und zu 100 Prozent würde man heute beim Lesen des Drehbuchs sagen: Das kauft uns doch so keiner ab. Aber genau das macht „Wie werde ich ihn los – in 10 Tagen“ so charmant.
Ganz ehrlich: Während des Basketballspiels, als Matthew McConaughey als Benjamin versucht, für Kate Hudson als Andie die Cola zu besorgen, während er eigentlich nur die letzten Minuten des Spiels verfolgen will und dabei an den langsamsten Getränkeverkäufer der Welt gerät – für genau solche Szenen liebt man Filme wie diesen doch, oder? Zumindest tue ich das.
Wer jetzt Flashbacks bekommt, kann sich den Film in Gänze auch bei Paramount+ ansehen.
„She’s the Man – Voll mein Typ!“ (2006)
Ein klein wenig anders verhält es sich mit „She’s the Man“. Im Gegensatz zu „Wie werde ich ihn los – in 10 Tagen“ hat er für mich über die Zeit an Glanz verloren. Ich glaube, das liegt in erster Linie daran, dass ich heute weiß, dass Hauptdarstellerin Amanda Bynes als Kind zur Schauspielerei gedrängt wurde. Dass sie heute mit extremen psychischen Folgen zu kämpfen hat, nur weil ihre Mutter aus ihr einen echten Teenie-Star machen wollte, lässt sich nur schwer ausblenden.
Trotzdem hat „She’s the Man“ doch einige kleine und große Highlights – und eines davon ist sicherlich die Szene, als Amanda Bynes in ihrer Rolle als Viola allen weismachen will, dass sie ein echter Frauenschwarm ist. Während eine Frau nach der anderen ins Diner stürmt, um sie aka ihren Bruder, für den sie alle halten, zu umgarnen, kann man nicht anders als drüber schmunzeln.
Für alle, die sich nicht mehr ganz an die Handlung erinnern oder ihn noch nicht gesehen haben: Viola (Amanda Bynes) ist leidenschaftliche Fußballspielerin. Als ihre Mannschaft wegen zu wenig Mitgliedern wortwörtlich vom Platz gekickt wird und die Jungs sie nicht ins Team aufnehmen, verkleidet sie sich kurzerhand und nimmt den Platz ihres Bruders am College ein. Dass da Chaos vorprogrammiert ist, ist ja wohl klar.
Den Film gibt es bei Prime Video – im Abo allerdings nur beim hinzubuchbaren „AllStar“-Channel.
„Ungeküsst“ (1999)
Ich muss zu meiner Verteidigung sagen: Dass ich diesen Film zuletzt gesehen habe, muss mindestens 15 Jahre her sein. Hätte ich von ihm mehr als nur ein paar Ausschnitte und das Wissen, dass Drew Barrymore die Hauptrolle spielt, in petto gehabt, hätte ich ihn wohl nicht auf unsere RomCom-Liste gesetzt.
Wie oft ich im Laufe dieses Films entschuldigend zu meiner besten Freundin herübergeschaut, die Schultern gezuckt und gesagt habe: „Also in meiner Erinnerung war der viel besser…“ kann ich gar nicht zählen. Woran das liegt? Vermutlich an allem.
„Ungeküsst“ handelt von der jungen Journalistin Josie, die ihren ersten, großen Auftrag bekommt. Sie soll eine Reportage über die Highschool schreiben, undercover versteht sich. Doch leider waren schon ihre eigenen Highschool-Zeiten kein wirkliches Highlight und auch die paar Jahre extra helfen nicht dabei, Anschluss zu finden. Bei den „coolen“ Girls schon gar nicht.
Kurz zur Einordnung: Ich persönlich finde, dass man Filme aus anderen Jahrzehnten auch wie diese behandeln sollte. Wie zu Anfang schon gesagt, altert nicht jeder gut, trotzdem bin ich der Meinung, dass man zum Beispiel durchdiskutierte Serien wie „Friends“ oder „Sex and the City“ genauso wie zahlreiche RomComs heute noch genauso schauen kann und darf. Und zwar ohne sie ständig auf Aktualität und Co. zu prüfen.
Aber „Ungeküsst“ ist an vielen Stellen so fremdbeschämend peinlich, oberflächlich und unangenehm, dass selbst diese Einstellung nicht mehr hilft. Denn wenn ich der unvorteilhaft gestylten, übertrieben unbeholfenen Drew Barrymore dabei zusehe, wie sie in der Highschool gemobbt und ausgenutzt wird, hat das für mich keinen 2000er-Charme mehr.
Wenn Dich das nicht davon abhält: „Ungeküsst“ gibt’s im Abo bei Disney+.
„Super süß und super sexy“ (2002)
Zum Schluss bekommst Du von mir aber jetzt nochmal eine Empfehlung, die beides hat: einen richtig hohen Cringe-Faktor UND mein Herz. Denn auf „Super süß und super sexy“ lasse ich nichts kommen.
Im Film geht es um drei Freundinnen und Mitbewohnerinnen, die Nacht für Nacht durch die Clubs ziehen und Männerherzen brechen – mal mehr, mal weniger. Vor allem Christina (Cameron Diaz) ist eine echte Verführerin. Zumindest bis sie Peter (Thomas Jane) trifft, der ausnahmsweise ihr den Kopf verdreht…
Absolut iconic ist „Super süß und super sexy“ schon wegen der Gesangsszene im Restaurant als das Girls-Trio, bestehend aus Cameron Diaz, Christina Applegate und Selma Blair, den Song „Zu groß, der passt niemals hier rein“ singt. Und nein, für alle, die den Film nicht kennen, das ist nicht zweideutig, sondern ganz klar eindeutig gemeint. Auch – ich spoilere ein bisschen – die Szene gegen Ende, in der Selma Blair sich mit dem Zungenpiercing im Intimpiercing ihres Freundes Todd verheddert, ist unschlagbar.
Du siehst also, der Film hält sich nicht zurück. Aber genau das macht ihn auch so sehenswert. Wann immer mich also jemand nach einem 2000er-Film fragt, ist das sicherlich einer meiner Tipps. Solange man den Cringe nämlich noch weglachen kann, hat er auch seine Daseinsberechtigung.
Lust bekommen? Den Film gibt’s aktuell nirgends im Abo, dafür aber bei etwa Amazon, Apple TV oder YouTube zum Leihen.
Die Frage an euch
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- Wie entscheidet ihr, ob Cringe noch charmant ist oder schon zu viel?
- Habt ihr eine persönliche Grenze entwickelt – ab wann wird „Das war halt damals so“ zu „Das geht heute echt nicht mehr“?
Bringt euch mit ein in die Diskussion.
Happy Streaming,
Julia
