Seit Anfang des Jahres gibt es mit HBO Max einen weiteren Streamingdienst in Deutschland. Und auch wenn man sich streiten kann, ob es wirklich noch einen Anbieter braucht, konnte ich nicht widerstehen: Ich habe mir ein Abo geholt, um das neue Angebot auszukundschaften. Eine Serie hat es mir dabei besonders angetan, und ich warte aktuell jeden Freitag auf eine neue Folge der zweiten Staffel.

Foto: HBO Max

Dr. Michael „Robby“ Robinavitch (Noah Wyle) arbeitet in der Notaufnahme des Pittsburgh Trauma Medical Centers – einem chronisch überfüllten Krankenhaus. Die Serie zeigt einen einzigen, stressigen Arbeitstag von Dr. Robby und seinem Team. Jede der fünfzehn Folgen entspricht dabei einer Stunde der Schicht, in der die Crew Patientinnen und Patienten versorgt.

Mit „The Pitt“ (seit 2025) ist den Showrunnern eine Krankenhausserie gelungen, mit der man einen erstaunlich realistischen Einblick in den Alltag einer Notaufnahme bekommt. Klar, wir sehen coole Ärzt*innen, die selbst in den stressigsten Situationen einen locker-sarkastischen Spruch auf Lager haben. Aber eben auch die knallharten Schichten, die das Team schieben muss. Dabei ist die Serie sehr menschlich mit persönlichen Geschichten, ethischen Fragen und viel Humor.

Auch die Inszenierung trägt zu diesem authentischen Eindruck bei: Die Zeit in der Serie verläuft fast deckungsgleich zur Erzählzeit, die Kamera bleibt unauffällig, das Licht nüchtern und der Sprech der Ärzte bleibt eine Fremdsprache. Für das medizinische Know-how mussten die Schauspieler*innen sogar in ein Bootcamp, in dem sie zum Beispiel auch gelernt haben, Zugänge zu legen oder zu intubieren.

Nicht nur medizinisch ist das Drehbuch durchdacht, auch die Figuren sind vielschichtig erzählt. Zum Beispiel der charmante Dr. Robby: bestimmt, empathisch und fähig. Aber eben auch nur ein Mensch, den die große Verantwortung manchmal erdrückt. Eine meiner Lieblingsfiguren, das mag etwas kontrovers sein, ist Dr. Santos (Isa Briones). Sie ist eine smarte, selbstbewusste Assistenzärztin, die mit ihrer direkten und harten Art manchen vor den Kopf stößt. Aber die Serie bietet kleine Anker, durch die man sie kennenlernen und verstehen kann. Genauso unverzichtbar: Charge Nurse Dana Evans (Katherine LaNasa), die als Herz der Notaufnahme den Überblick behält – die Serie macht deutlich: Ohne die Pflegekräfte würde nichts funktionieren. Andere Figuren wie Dr. King (Taylor Dearden Cranston) oder Dr. Whitaker (Gerran Howell) sorgen dabei für einen Comic Relief und haben mich echt zum Lachen gebracht.

The Pitt“ gönnt den Zuschauenden kaum Pausen und die dichte Erzählung spiegelt den Stress des Notfall-Teams wider. Ich habe die Serie über ein paar Tage geschaut und musste mir immer wieder klarmachen: Wow, das alles passiert an einem einzigen Tag. Und in diesem einen Tag zeigt die Serie, was im amerikanischen Gesundheitssystem schiefläuft: zu wenig Personal und ein System, das auf Profit ausgelegt ist.

P.S.: Älteren Serienhasen ist das Duo aus R. Scott Gemmill und Noah Wyle vielleicht noch aus „Emergency Room“ (1994-2009)-Zeiten bekannt. Wyle spielte damals John Carter und Gemmill arbeitete als Produzent und im Writers' room.

Ihr könnt „The Pitt aktuell bei HBO Max streamen. Überprüft die dauerhafte Verfügbarkeit via werstreamt.es.

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