An den Bildern mancher Filme kann ich mich nicht satt genug sehen: Jeder Frame könnte das Filmplakat sein, jede Einstellung ist bewusst gewählt und verleiht dem Gesehenen eine weitere Ebene. Dadurch schaue ich unheimlich gerne zu und freue mich auf jedes weitere Bild – und genauso ging es mir beim senegalesischen Drama „Touki Bouki“ (1973).
Senegals Hauptstadt in den frühen 1970ern: Hier leben die junge Studentin Anta (Mareme Niang) und der Viehhirte Mory (Magaye Niang), der immer mit seinem Motorrad durch die Stadt fährt. Das verliebte Paar träumt davon, dem mittellosen Leben in Dakar zu entkommen und nach Paris zu fliehen – dem vermeintlichen Paradies, das Wohlstand und Freiheit verspricht. So entschließen sie sich, alles zu unternehmen, um genug Geld für eine Überfahrt nach Frankreich aufzutreiben.
Der autodidaktische Regisseur Djibril Diop Mambéty hat mit seinem Debüt „Touki Bouki“ einen bedeutenden Beitrag des postkolonialen afrikanischen Kinos geschaffen. Es geht um den Konflikt zwischen der Sehnsucht, dem Versprechen des Westens und der Verbundenheit zur Heimat, ihrer Kultur und ihren Wurzeln. Der Film ist dramatisch, aber auch witzig und mutig. Mit der non-linearen Erzählweise und den surrealen Einschüben verrät uns Mambéty mehr über seine rastlosen, zerrissenen Figuren.
Georges Bracher liefert hinter der Kamera hypnotische Bilder: Extreme Close-ups von Gesichtern und Händen vermitteln Intimität. Gleichzeitig wirkt die schöne Landschaft Senegals im Kontrast zur hektischen Stadt ruhig und weit. Dabei hat Bracher ausschließlich mit natürlichem Licht gedreht, wodurch die Hitze Dakars spürbar wird.
Und dann ist da noch der Sound, der nicht mehr aus dem Kopf geht: „Paris, Paris, Paris“ 🎶 , ertönt es immer wieder und inszeniert das nie gezeigte Paris als Sehnsuchtsort, der dann aber doch so weit entfernt ist wie die Stimme der Sängerin Josephine Baker.
„Touki Bouki“ ist kein Film für nebenbei. Er fordert euch heraus, verwirrt euch – aber er belohnt euch auch mit unvergesslichen Bildern, einem Soundtrack, der nachhallt, und einem Konflikt, der uns erst weit weg vorkommt, aber dann doch universelle Fragen stellt.
Du kannst „Touki Bouki“ aktuell bei Mubi streamen. Überprüfe die dauerhafte Verfügbarkeit via werstreamt.es.
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