Als ich diese Woche gesehen habe, dass Regisseurin und Autorin Lena Dunham im April ihre Memoiren veröffentlicht, war es der perfekte Anlass für mich, mal wieder meine absolute Lieblingsserie anzufangen: Lena Dunhams Dramedy „Girls“ (2012-2017). Die Geschichte über vier Freundinnen in ihren Mittzwanzigern in New York City hat bei Millennial- und Gen-Z-Frauen mittlerweile einen iconic Kultstatus erreicht. Sie hat mich schon durch so viele Lebensphasen begleitet, und jedes Mal ist es eine komplett neue Erfahrung, weil ich mich auf neuen Ebenen mit den Protagonistinnen identifizieren kann.

Die Protagonistinnen – das sind Hannah (Lena Dunham), Marnie (Allison Williams), Jessa (Jemima Kirke) und Shoshanna (Zosia Mamet). Es erinnert in der Konstellation ein bisschen an „Sex and the City“ (1998-2004), nur dass die vier Girls weder stabile Jobs haben, noch stabile Beziehungen zueinander – sie machen Fehler, lernen (manchmal) daraus und geben ihr bestes, sich durchs prekäre Leben in der undankbaren Großstadt zu schlagen.

Lena Dunhams Hannah ist keine glamouröse Carrie Bradshaw. Sie ist chaotisch, egozentrisch, peinlich und unsicher. Aber gerade deswegen auch unglaublich ehrlich. Wir sehen ihr dabei zu, wie sie sich in toxischen Beziehungen verliert, ihre mentale Gesundheit vernachlässigt und Freundschaften links liegen lässt. Ich weiß bis heute nicht, ob ich Hannah mag, aber ich verstehe sie. Auch Marnie, Jessa und Shoshanna sind keine Stereotype – es gibt nicht die eine „Sensible“, oder den „Hot Mess“, oder die „Lustige“. Jede ist widersprüchlich, nervig, naiv und auf ihre Weise selbstbestimmt. 

Es gibt aber nicht nur die Girls: Auch die Männer, die ihnen gegenüberstehen, machen die Serie zu dem, was sie ist. Hannahs on-again-off-again Freund Adam (Adam Driver) ist eine Figur, die man gleichzeitig lieben, hassen und bemitleiden will – impulsiv, charmant und oft furchtbar unbedacht, aber am Ende des Tages so verletzlich und einsam wie alle anderen. Auch der mürrische Pessimist Ray (Alex Karpovsky) sowie Hannahs Ex und bester Freund Elijah (Andrew Rannells) sind keine eindimensionalen Typen, sondern genauso kompliziert wie die Frauen. Genau das macht die Dynamik zwischen allen Figuren so echt und mitreißend. 

Der Humor und die cleveren Dialoge in „Girls“ sind das, was mich anfangs in die Serie hineingezogen hat. Auch waren es die unvergesslichen Storylines: Marnies Traum, eine berühmte Sängerin zu werden, Jessas Kampf mit Drogen, oder Shoshannas Auslandsaufenthalt in Japan. Besonders hängen geblieben ist mir die Episode „The Panic in Central Park“ aus Staffel 5 – in ihrer Absurdität, ihrem Schmerz und ihrer Zärtlichkeit ein Meisterwerk modernen Fernsehens. 

Was mich aber über die Jahre hinweg immer wieder zu „Girls“ zurückgebracht hat, ist, wie radikal ehrlich die Serie mit weiblicher Erfahrung umgeht – inklusive aller Widersprüche, Unsicherheiten und Peinlichkeiten, die im Fernsehen oft verschwiegen werden. Lena Dunham hat mit „Girls“ etwas geschaffen, das bis heute polarisiert und irritiert, aber für Mädchen und Frauen zeitlos relatable bleibt – und deswegen völlig berechtigt Kultstatus erreicht hat. 

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